13. Halbjahresbericht

Berichtszeitraum 1. April 2023 bis 31. Oktober 2023

Sehr geehrte Damen und Herren,
aufmerksamen Leserinnen und Lesern wird nicht entgangen sein, dass dieser „Halbjahresbericht“ ausnahmsweise sieben und nicht sechs Monate umfasst. Der Grund hierfür ist, dass sich nach der Veröffentlichung des Monatsberichts September 2023 herauskristallisierte, dass der Termin der Schlüsselübergabe am 22.03.2024 für das Projekt nicht zu halten ist. Und weil uns klar war, dass das zu berechtigten Fragen führt, haben wir uns entschieden, den Berichtszeitraum um einen Monat zu verlängern, um Ihnen hier detaillierter berichten zu können.

Ein Blick in die Monatsberichte aus dem Zeitraum zeigt, dass sich der Baufortschritt sukzessive verlangsamt hat. Sichere Indikatoren dazu sind die geringe Anzahl an hinzukommenden fertiggestellten Bereiche und die für diese Projektphase zu geringen Auszahlungen. In die Auszahlungen fließen die Rechnungen der am Bau beteiligten Firmen ein. Die Firmen können nur geleistete Arbeiten in Rechnung stellen. Eine geringe Auszahlungssumme weist auf wenige ausgeführte Arbeiten hin. Im Monatsbericht September sind diese Entwicklungen deutlich ablesbar.
 

Wo liegen die Probleme, die zu dem nicht zufriedenstellenden Baufortschritt führen? Schließlich liegt die Planung doch vor, alle Firmen sind an Bord und Material ist auch vorhanden, da sich die weltweiten Lieferketten nach der Pandemie wieder weitgehend normalisiert haben.

Der Schmerzpunkt liegt im Bereich der Koordination: Die Baustelle ist einer Phase mit täglich mehr als 200 Bauarbeiterinnen und Bauarbeitern aus 40 Firmen, die sich unterschiedlichen Kostengruppen zuordnen (Hochbau, Haustechnik, Bühnentechnik). Jede Kostengruppe hat eine eigene Bauleitung (Objektüberwachung), die die Arbeiten in ihrem Bereich koordiniert. Diese Prozesse an sich sind bereits anspruchsvoll. Erschwerend kommt aber nun hinzu, dass z.B. beim Schließen von Decken in Räumen und Fluren die Kostengruppen sich auch untereinander koordinieren müssen. Das bedeutet z.B., dass der Hochbau erst seine Ausbauarbeiten erledigen kann, wenn die Haustechnik in diesem Bereich ihre Grobmontagen abgeschlossen und eine entsprechende Freigabe erteilt hat. Hier potenziert sich die beschriebene Komplexität noch einmal, schließlich hängt auch die Disposition der Firmen mit ihren Ressourcen von diesen Terminen ab.

Diese Schwierigkeiten haben wir im Sommer in ihrer umfassenden Dimension erkannt. Die Bühnen bekommen als Bauherr einmal im Monat im Rahmen des Terminjourfixes vom Projektsteuerer in Abstimmung mit den Bauleitungen einen detaillierten Bericht zur Terminlage präsentiert. Zunächst haben wir durch projektinterne Maßnahmen versucht, die Freigaben und das Fertigstellungsmanagement zu optimieren, um Geschwindigkeit zurück zu gewinnen und die dringend notwendige Vierwochen-Vorschau wieder zu installieren.Nur so sind Probleme vor Ort bereits vor dem Eintreffen der Firmen bekannt  und können angemessen angegangen werden können. Im August mussten wir feststellen, dass wir mit Bordmitteln die zur Erreichung des Terminziels dringend notwendige Tempo-Verschärfung nicht erzielen. 

Wir haben uns daraufhin als Bauherr im Bereich der Koordination verstärkt: Ein kleines Team von Experten, eines auf Großprojekte auf der Zielgerade spezialisierten Teams aus München, unterstützt seit Oktober das Projekt durch den Fokus auf drei Hauptaufgaben:

•    Die Koordination aktuell kritischer Bauprozesse
•    Die Wiederherstellung, Pflege und Kontrolle der Vierwochenvorschau
•    Die Unterstützung bei der Fertigstellung der für die Betriebsgenehmigung so entscheidenden Rauchschutzdruckanlagen. Über die Probleme in diesem Bereich haben wir ja bereits im letzten Halbjahresbericht ausführlich berichtet.

Gemeinsam mit den neu verpflichteten Ingenieuren, den Objektüberwachern und der Projektsteuerung haben wir dann den Terminplan des Projekts noch einmal grundlegend überprüft. Ergebnis ist, dass zu viele Baumaßnahmen über den 22.3.2024 hinausreichen, so dass eine Schlüsselübergabe zu diesem Datum keinen Sinn macht. Die neue Berechnung ergibt den 28.06.2024 als Fertigstellungsdatum. 

Es ist uns bewusst, was diese Änderung bedeutet und welche Fragen sich für die Bühnen als Betrieb und unser Publikum nach dieser Nachricht stellen. Gerne hätten wir diese Bauzeitverlängerung, die auch zu einer Kostenerhöhung führt, vermieden. Aber eine realistische Betrachtung des  Baufortschritts lässt uns leider keine andere Wahl. Auch dieser neue Terminplan bedingt das Erreichen bestimmter Meilensteine auf dem Weg. Es gibt also auch in dem neuen Szenario Risiken und deshalb weiterhin keine Garantien. 

Die im letzten Halbjahr gesunkenen Risiken sind bei näherer Betrachtung kein Anlass zur Freude: Sie beruhen auf einer Abschreibung der aus der Insolvenz der Greensill-Bank entstandenen Risiken und auf der Tatsache, dass sich einige der Risiken bedauerlicherweise realisiert haben. 

Positiv ist anzumerken, dass die im vorherigen Bericht beschriebenen Probleme mit der blauen Decke im Foyer des Opernhauses gelöst sind. Und dass in den neuen Büros in den oberen Geschossen der Werkstatttürme teilweise schon der Anstrich erfolgt ist und die Bodenbeläge eingebracht wurden.

Der Kostenstand lag am 31.10.2023 bei 686 Mio. Euro. Eine aktualisierte Kostenberechnung unter Berücksichtigung der neuen Termine wird gerade erstellt. Auf dieser Basis wird dann den Gremien eine Vorlage zur Budgetanpassung vorgelegt werden.

Die nächsten Monate auf der Bühnenbaustelle werden sicher bewegt. Ich bin dennoch überzeugt, dass wir das Projekt im Zusammenspiel aller Beteiligte erfolgreich  zu Ende führen werden.

Mit freundlichen Grüßen


Bernd Streitberger
Technischer Betriebsleiter Bühnen Köln